Forderungen nach mehr CDU

Auf dem diesjährigen Deutschlandtag der Jungen Union zeigte sich: Der Parteinachwuchs möchte Einfluss nehmen. Rufe nach einem Projekt "40plus" wurden laut.
Aus Münster berichtet Frederic Schneider
Seit langer Zeit ist es Tradition, dass die Parteivorsitzenden von CDU und CSU zum Deutschlandtag der JU kommen. Das höchste Gremium der Nachwuchsorganisation tagt einmal im Jahr, rund 300 Delegierte und viele hundert Gäste sowie Vertreter der Medien finden sich zusammen.
So auch dieses Mal, am Wochenende vom 16. bis 18. Oktober in Münster. Nur eines war anders: "Mutti" kam nicht. "Mutti" ist ein neues, in der JU entstandenes Synonym für unsere Parteichefin und Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel.
Sie kam nicht, weil in Berlin derzeit die Koalitionsverhandlungen mit den Liberalen stattfinden. Dieses Wochenende wurde als das entscheidende bezeichnet. Ministerpräsident Koch zeigte sich gegen Ende vergangener Woche selbstbewusst, es könne ein Abschluss gelingen. Am Ende blieb aber - leider - auch das Utopie.
Dass Angela Merkel nicht gekommen ist, nehmen viele in der Union der Kanzlerin mehr als übel. Als erstes wagte sich vergangene Woche Sven Volmering vor, der Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen JU. Er bezeichnete das Fernbleiben von Merkel als "Ohrfeige" für den Parteinachwuchs, der wochenlang dafür kämpfte, dass sie Bundeskanzlerin bleiben könne.
Auch der hessische JU-Chef, Ingmar Jung, zeigte sich enttäuscht und mit den Freunden aus NRW solidarisch. Es folgten weitere Unmutsbekundungen und ein am Donnerstag der FAZ zugespielter Initiativantrag der drei Landesverbände Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz sowie Saarland, der - später - von fast allen Verbänden, inklusive Hessen, gestellt und am Ende einstimmig verabschiedet wurde. In ihm wird die sofortige Einberufung eines CDU-Bundesparteitages inklusive schonungsloser Analyse der Wahl gefordert.
Die Junge Union hat in der vergangenen Woche nicht gegen die Person Angela Merkel begehrt. Sie ist weiter unumstritten unsere Bundeskanzlerin. Vielmehr begehrt die JU gegen "30minus" und sozialdemokratischen Inhalten auf. Generationengerechtigkeit, ein einfacheres Steuersystem - frei nach Friedrich Merz - sowie deutlichere christlich-konservative Werte in der Politik müssen wieder Usus sein, fordert die Jungen Union in ihrer "Münsteraner Erklärung". Das Projekt "40plus", also einem Wahlergebnis von 40 Prozent und mehr, müsse offen diskutiert werden.
Freilich führte dies alles dazu, dass ein Deutschlandtag selten so deutlich unter medialer Beobachtung stand wie der diesjährige. Dadurch kann die Junge Union, die mehr Mitglieder als FDP und Grüne zusammen hat, ihre Inhalte jedoch auch gezielter einbringen.
Der Deutschlandtag zeigte auch, dass die Junge Union geschlossen ist. Die "Helmut, Helmut"-Rufe wurden gemeinsam skandiert, und Differenzen inhaltlicher Natur unter den Landesverbänden, wie bei der Frage Flughafen Kassel-Calden, wurden engagiert, aber freundschaftlich ausgetragen. Im Anschluss konnten alle freudig miteinander feiern. Junge Union ist Politik, ja, aber Politik gepaart mit Spaß nach der Arbeit.
Auch dafür stand der diesjährige Deutschlandtag. Dem Bundesvorsitzenden Philipp Mißfelder stehen nun zwölf spannende Monate vor dem nächsten Deutschlandtag bevor. Der findet im Oktober 2010 in Babelsberg (Potsdam) statt. Mißfelder kündigte "neue technische Maßstäbe" an. Ein Feuerwerk an Neuheiten werde erwartet.
Sicherlich auch in der Hoffnung, dass sich "Mutti" dann nicht mehr ihrem Kommen entziehen kann. Es waren immerhin, bemerkte Philipp Mißfelder, genügend Vertreter aus dem Adenauerhaus vor Ort, die die frohe Kunde einer geschlossenen Jungen Union nun unserer Bundeskanzlerin überbringen können.
Veröffentlicht am Montag, 19. Oktober 2009 von Frederic Schneider.
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